Nacht der Angst


  1. Ø 4
   2015
Nacht der Angst Poster

Filmhandlung und Hintergrund

Nacht der Angst: Fesselndes Drama mit Nina Kunzendorf als Hebamme, die wegen Totschlags vor Gericht steht.

Weil eine junge Frau ihre Zwillinge unbedingt in einem Geburtshaus zur Welt bringen wollte, steht nun die Hebamme vor Gericht: Beim zweiten Baby sind Komplikationen aufgetreten, es wird den Rest seines Lebens schwerstbehindert bleiben. Der Geburtshelferin droht Schmerzensgeld in Millionenhöhe und Berufsverbot. Allein die Aussage der Mutter könnte sie vor dem Urteil bewahren; doch die Frau schweigt.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Vor einigen Jahren musste sich eine Hebamme wegen Totschlags vor dem Dortmunder Landgericht verantworten, weil ein Baby nach der Geburt gestorben war. Die Staatsanwaltschaft war der Meinung, sie habe den Tod des Kindes „billigend in Kauf genommen“, um ihr Konzept einer Hausgeburt durchzuziehen. Nach zwei Prozessjahren erging das Urteil: über sechs Jahre Gefängnis, Schadenersatz- und Schmerzensgeldzahlungen, Berufsverbot.

    Man muss diesen Hintergrund nicht kennen, zumal Regisseurin Gabriela Zerhau in ihrem Drehbuch mehrere Fälle berücksichtigt hat; „Nacht der Angst“ ist auch ohne dieses Wissen ein fesselndes, ausgezeichnet gespieltes Drama, das schon allein durch seine geschickte Dramaturgie für erhebliche Spannung sorgt. Doch der Fall gibt dem Film natürlich eine besondere Tragweite, denn er führt vor Augen, was viele freie Hebammen bei verschiedenen Prozessen dieser Art in den letzten Jahren empfunden haben: Vor Gericht steht in dem Film nicht allein die von Nina Kunzendorf mit großer Empathie verkörperte Geburtshelferin, sondern alle Hebammen, die für natürliche Geburten außerhalb von Krankenhäusern plädieren.

    Zerhau erzählt die Vorgeschichte in Form von Rückblenden, der Prozess bildet die Rahmenhandlung: Die junge Mutter Sesha (Friederike Becht) und die erfahrene Hebamme Emma (Kunzendorf) sind Freundinnen geworden. Sesha ist erneut schwanger und erwartet Zwillinge, die sie ebenfalls in Emmas Geburtshaus zur Welt bringen will, doch die Hebamme lässt dort aus Prinzip keine Mehrlingsgeburten zu. Geschickt wechselt Zerhau fortan zwischen Rückblende und Prozess hin und her, was zur Folge hat, dass sich die beiden Ebenen vortrefflich ergänzen. Nun wird auch klar, warum die Hebammen den Dortmunder Prozess als Hexenjagd verurteilten: Süffisant zählt der von Johann von Bülow unangenehm glaubwürdig verkörperte Staatsanwalt die unter Hebammen gängigen alternativen Heilmethoden auf, die aus Sicht vieler Schulmediziner an Quacksalberei grenzen. Gerade auch dank der ausgezeichnet geführten Schauspieler nimmt Zerhau die Zuschauer immer mit, obwohl der Austausch der Argumente für und gegen natürliche Geburten sehr spezifisch und faktenreich ist. Entsprechend wichtig war es, die juristischen Rollen markant zu besetzen (Peter Lerchbaumer als Vertreter der Nebenkläger, Adriana Altaras als Richterin, Susanne Wuest als Verteidigerin). Und so treibt Zerhau beide Ebenen ihrem jeweiligen Höhepunkt entgegen: hier die Nacht, in der Sesha erst ein gesundes Mädchen zur Welt und später einen Jungen gebiert, der schwerstbehindert sein wird; dort der Prozess, der auf ein unausweichliches Urteil zusteuert, weil die von Mann und Schwiegermutter unter Druck gesetzte Sesha die Aussage verweigert. Ähnlich bemerkenswert wie die Führung der Schauspieler sind die Bildgestaltung (Carl-Friedrich Koschnick) und vor allem die Musik von Fabian Römer, die immer wieder sehr schön die Stimmungen aufnimmt und dafür sorgt, dass der Film phasenweise fesselnd wie ein Thriller ist. tpg.

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