Mit Mistgabel und Federboa - Farmer John


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   2005
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Filmhandlung und Hintergrund

Nach dem frühen Tod seines Vaters führte John Peterson dessen Farm im nördlichen Illinois weiter und sorgte für Dutzende Kühe, Hühner und Schweine. Als er während des Studiums die Gegenkultur der 60er Jahre kennen lernte, wandelte er seinen Hof zum Hippie-Mekka um und lebte im „Midwest-Coast“-Experiment eine Dekade lang seine wilden Jahre aus. Bis er 1982 hochverschuldet das meiste Land verkaufen musste, seine Depressionen mit dem Schreiben eines Buchs in Mexiko kurierte und schließlich auf ökologische Landwirtschaft umstieg.

Die bewegte Vita eines Biobauern hat Taggart Siegel („Shadow of the Pepper Tree“) zu einer durchweg unterhaltsamen Dokumentation zusammengefügt. Nebenbei blättert er damit mehrere erhellende Kapitel amerikanischer Landwirtschaftsgeschichte auf.

John Peterson führt nach dem frühen Tod des Vaters dessen von Kartoffelbauern gekaufte Farm im Norden von Illinois mit 50 Kühen, Hühnern und Schweinen weiter. Während des Studiums kommt er mit der Gegenkultur der 60er Jahre in Berührung und macht seinen Hof zur Zuflucht von Hippies und Driftern. 1982 muss er den größten Teil des Landes verkaufen, von 90 Hektar bleiben fünf übrig. Peterson verfällt in Depression und Isolation, vermietet das Gehöft an Künstler. 1991 steigt Peterson auf ökologische Landwirtschaft um.

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Kritikerrezensionen

  • Das Schlimmste muss es für einen Bauern sein, in einer Welt die sich rasant verändert, immer wieder um die Existenz seines Hofes zu kämpfen. Beständig an einem Bauernleben mag einiges sein, wie die Liebe zur Natur, die Verbundenheit mit dem Familienerbe. Der Beruf an sich ist es nicht: Mindestens so sehr wie andere Unternehmer müssen Landwirte innovativ denken und experimentierfreudig sein, wollen sie ihren Besitz nicht verlieren. In „Farmer John“ wird ein Bauer aus dem gebeutelten Mittleren Westen der USA, und mit ihm eine ganze Gesellschaftsschicht, bewegend in Lebensleistung und Gefühlen porträtiert.

    Zu diesem dokumentarischen Glückstreffer trug sicherlich bei, dass Regisseur Taggart Siegel schon seit vielen Jahren das Schicksal seines Freundes John Peterson mit der Kamera festhielt. Aufnahmen von der Versteigerung der landwirtschaftlichen Maschinen, dem vorläufigen Ende von Johns Farmerexistenz in den Achtzigern, stammen aus einer damaligen Dokumentation von Siegel. Sie zeigen den jungen Peterson, der dem Leinwandhelden Ryan O’Neal ähnelt, aber in unaussprechlicher Bedrückung an der Kamera vorbeischaut. Solche Szenen kann man nicht spielen – ein riesiger Vorteil des Dokumentarfilms, wenn er auf einen Menschen trifft, der andere so nahe an sich heranlässt.

    Schon die lebensfrohe, optimistische Mutter von John filmt mit ihrer kleinen Kamera in den Fünfzigern Szenen einer glücklichen Kindheit zwischen Strohballen und Mähdreschern. In Lebenskrisen wird sich John, der auch jahrelang in Mexiko lebt, immer wieder von den Erinnerungen an diese Kindheit gehalten fühlen. Und deswegen versteht man auch, warum dem alten Farmer, einem Nachbarn aus Illinois, die Stimme versagt, als er davon erzählt, wie in den Achtzigern das fruchtbare Bauernland des Mittleren Westens zunehmend mit Neubausiedlungen bepflastert wurde.

    Zu den Filmaufnahmen aus verschiedenen Lebensepochen Johns gesellt sich dessen enorme sprachliche Ausdrucksfähigkeit, seine Freude an der Reflexion. An düstere Niedergeschlagenheit mit im Bett verbrachten Monaten nach der Versteigerung erinnert er sich ebenso intensiv, wie an die Angst, die Mutter zu enttäuschen und die Anfeindungen der Nachbarn, die den schrägen Vogel mit den Hippiefreunden ausgrenzen. Verwandte, Nachbarn und Mitarbeiter reichern das Ganze mit eigenen Statements an.

    Die intuitive Kamera spiegelt die Kreativität von John Peterson: Eine typische kleine Szene wird im Laufschritt direkt in den Gemüsedschungel zwischen den Ackerfurchen hineingedreht, mit einer lockeren Countrymusik untermalt. Und weil dieser John so neugierig und offen ist, bevölkern seinen Hof bald idealistische Praktikanten, mexikanische Arbeiter, afrikanische Flüchtlinge, und immer wieder alternativ angehauchte Künstler. Dann macht John seinen auf Biolandwirtschaft umgestellten Hof zum CSA-Betrieb: Menschen aus der Gemeinde beteiligen sich finanziell an der Community Supported Agriculture, bekommen dafür Gemüse und wissen, dass sie dem Land und ihren Kindern etwas Gutes tun.

    Wer dachte, dass Landwirtschaft sich nicht mit Freidenkertum verbinden lässt, der kannte Farmer John noch nicht, oder die alternativen Landkommunen der Siebziger, die, nun ja, nicht alle überlebt haben, aber die Vorläufer der Ökobewegung waren. Es ist erstaunlich, wie der um die Existenz kämpfende Bauer immer wieder auf Gleichgesinnte trifft, die auf seinem Land aufleben, weil sie ebenfalls mit der Natur und ihren Früchten in Kontakt sein wollen. Und wie der Ökobauer letztlich das Erbe seiner Eltern nachhaltiger zum Blühen bringt, als er es sich früher hätte träumen lassen.

    Fazit: In dieser bewegenden, außergewöhnlichen Dokumentation erzählt ein Farmer aus dem Mittleren Westen von Höhen und Tiefen aus 40 Jahren Landwirtschaft, von künstlerischen Interessen und der Erfüllung als Biobauer.
  • Famos unterhaltende Lebensgeschichte eines Biobauern, die mehrere Kapitel amerikanischer Landwirtschaftsgeschichte aufblättert.

    Was die „New York Times“ als faszinierend bezeichnet, ist die aufregende Lebensgeschichte von John Peterson, der nach dem frühen Tod des Vaters dessen von Kartoffelbauern gekaufte Farm im Norden von Illinois mit 50 Kühen, Hühnern und Schweinen weiterführte, während des Studiums mit der Gegenkultur der 60er Jahre in Berührung kam, seinen Hof zum Treffpunkt und zur Zuflucht von Hippies und Driftern machte und mit ihnen zehn Jahre, von Nachbarn misstrauisch beäugt, das „Midwest Coast“-Experiment seiner wilden Jahre auslebte. 1982 muss er hochverschuldet den größten Teil des Landes verkaufen, von 90 Hektar bleiben fünf übrig. Peterson verfällt in Depression und Isolation, geht nach Mexiko, schreibt ein Stück über das Ende der Landwirtschaftskultur, vermietet das Gehöft an Künstler; auf der „Teufelsanbeterfarm“ wird Feuer gelegt, 1991 steigt Peterson auf ökologische Landwirtschaft um.

    Hochgradig packend, spannend und mit tollen farbigen Super-8-Aufnahmen von Petersons Mutter dokumentiert, die die Erntezeit („die Frauen schoben uns das Essen nur so zu“) und das Spielen ihrer Kinder aufnahm, ist die erste Hälfte atemberaubende Lebensgeschichte. Der zweite Teil, die seit 1993 auf Petersons „Angelic Organs“ genannter Farm betriebene Landwirtschaftsgemeinschaft, die auf dem Prinzip der direkten Beteiligung von Kunden basiert, die selbst säen und ernten (und Peterson den Rückkauf von Land ermöglichten), ist eine humorvolle Demonstration neuer ökologischer Prinzipien des biologischen Gemüseanbaus.

    Zusätzlichen Reiz erhält die Landpartie durch Peterson, der selbst erzählt und kommentiert und dessen offen gehaltene Sexualität („Die Farm ist meine Frau“) für Schmunzeln sorgt, wenn er in einem Fantasyfilm mit seiner Partnerin als Maikäfer über die Felder fliegt und von seiner Vorliebe für Glanz und Glamour erzählt. Es gibt hübsche Vergleiche von Tomaten und Brüsten, den wie in Peter Weirs „Der einzige Zeuge“ zelebrierten Bau einer Scheune. Der beste Satz fällt gleich zu Beginn. Da nimmt John Brocken fruchtbaren Schwarzerdebodens in den Mund, kostet und sagt: „Die Erde schmeckt gut heute.“ Wunderbar. ger.

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