Die Stille danach


  1. Ø 4.4
   2016
Die Stille danach Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Die Stille danach: Das Drama um einen Amoklauf an einer Schule konzentriert sich auf die schwerwiegenden Folgen für die Familie des Täters.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Ähnlich wie „Sie hat es verdient“ von Thomas Stiller oder „Ein Jahr nach morgen“ von Aelrun Goette handelt „Die Stille danach“ von einem jugendlichen Mörder. Auch Nikolaus Leytner erzählt die Geschichte aus der Perspektive der Mutter, die wissen will, warum ihr geliebter und eigentlich unauffälliger 14-jähriger Sohn in seiner Schule sechs Menschen erschossen, vier weitere schwerverletzt und anschließend seinem eigenen Leben ein Ende gesetzt hat.

    Die facettenreiche Rolle ist ungemein schwierig, weil Ursula Strauss eine Vielzahl von Gefühlen verkörpern muss, die sich zum Teil widersprechen. Eher beiläufig erzählt Leytner, welche Folgen der Amoklauf für die Eltern hat. Seiner Hauptfigur dagegen nähert sich der Film so weit wie überhaupt möglich, und das durchaus buchstäblich, weil Leytners bevorzugter Kameramann Hermann Dunzendorfer stets ganz nah an Strauss ist. Aber große Nähe führt nicht automatisch zu Empathie. Szenen wie jene, in denen die Schauspielerin im seelischen Schmerz das Gesicht verzerrt oder ihre Trauer herausschreit, können leicht ins Gegenteil umschlagen. Solche Momente wecken nicht unbedingt das Mitgefühl, sondern überlagern es womöglich, weil sie durch die Nähe der Kamera laut und plakativ wirken; derart viel Intimität kann leicht zur Folge haben, dass man eher peinlich berührt als mit Anteilnahme reagiert. Der nach innen spielende Peter Schneider ist dagegen fast wohltuend. Die Emotionalität wirkt auch deshalb so plakativ, weil sich Leytner bei der Konzeption des Films ansonsten konsequente Zurückhaltung auferlegt hat. Als die Eltern ihren Sohn identifizieren, zeigt er nur ihre Gesichter, nicht den Leichnam. Ähnlich ist sein Umgang mit der Tat, die optisch komplett ausgespart bleibt.

    Wie fast immer in solchen Geschichten müssen die Eltern erkennen, wie wenig sie über ihren Sohn wussten. Dass Felix nichts von seiner vergeblichen Liebe zu einer umschwärmten Mitschülerin erzählt hat, ist dabei weniger beunruhigend als die Tatsache, dass er zu seinem ehemals besten Freund, mit dem er angeblich jeden zweiten Tag zusammen war, außerhalb der Schule gar keinen Kontakt mehr hatte. Wie er diese Zeit wirklich verbracht hat, bleibt ebenso offen wie eine zweite Frage, die viel wichtiger wäre, um „Die Stille danach“ über sich hinaus wirken zu lassen: Der Junge ist schon in der Grundschule regelmäßig schikaniert worden; später hat sich das dann potenziert, wie ein ziemlich widerwärtiges Internetvideo belegt. Vordergründig bietet Leytner also eine Erklärung für die Tat: Aus Sicht von Felix hat das Mobbing irgendwann eine rote Linie überschritten; sein Amoklauf war der Tag der Abrechnung. Der Film erklärt jedoch nicht, weshalb er schon in jungen Jahren zur Zielscheibe seiner Mitschüler geworden ist; und was ihn bewogen hat, die natürliche Hemmschwelle zu überschreiten und zum Mörder zu werden. Filmemacher reagieren auf entsprechende Kritik gern mit dem Hinweis, sie wollten Fragen aufwerfen, keine Antworten geben; aber vielleicht machen sie es sich damit auch zu einfach. tpg.

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